27. Januar 2009 – Review

Peter Fox Stadtaffe

Eigentlich war es doch irgendwie nur ein nettes Sideproject. Peter Fox nutzte die Pause seiner Stammtruppe „Seeed“ und spielte sein erstes Soloalbum ein. Die Erwartungen hielten sich in Grenzen, doch schon beim ersten Hören weiß man spätestens: „Stadtaffe“ macht nicht den Pausenclown für die auf neuen Stoff wartende Seeed-Fangemeinde.
Peter Fox ist mit „Stadtaffe“ ein großer Wurf gelungen. Klar, es ist nicht „Alles Neu“, auch wenn die erste Solo-Single so heißt. Die Dancehall-Beats wurden nicht neu erfunden. Und – und das ist klar: Der Berliner hat eine markante Stimme und die klingt natürlich auch bei seinem Alleingang nicht anders.

Doch neben dem Wiedererkennungswert für alle Freunde der Dancehall-Beats hat die Platte sehr viele unerwartete Elemente: Sie ist persönlich und pointiert („Schwarz zu Blau“), sie ist extrem melancholisch („Das zweite Gesicht“), sie ist filigran („Haus am See“) und sie ist bombastisch („Alles Neu“). Und das sind lediglich vier Songs des Longplayers. Denn mit jedem weiteren Track öffnet Pierre Baigorry -so sein bürgerlicher Name- eine neue Schublade seiner prallvollen Schatzkiste.

Doch der größte Geniestreich gelang Peter Fox wohl direkt zu Beginn der Aufnahmen zu „Stadtaffe“. Seine Idee mit dem Babelsberger Filmorchester zusammenzuarbeiten macht aus einem guten ein sehr gutes Album. Es macht aus dem Sänger von Seeed eben jenen Peter Fox. Denn durch die Instrumentierung und die vom Orchester gespielten Beats und Samples hat die Platte einen Sound, der eigenständiger ist als alles, was sich in Deutschland im Kosmos von HipHop, Dancehall und Rap so tummelt. Herr Fox aus Berlin-Kreuzberg braucht keine Posen, keine meterlange Liste mit „Featuring“-Partnern (lediglich bei „Zucker“ wird er von Vanessa Mason unterstützt) und keine ausgeklügelte Strategie. Peter Fox’ „Stadtaffe“ besticht durch das Orchester, die Arrangements und seine Stimme. Ganz uneitel und dabei trotzdem pompös.
Insgesamt 12 Stücke und eine sehr gute Idee reichen dem Seeed-Frontmann, um nicht nur kommerziell aus dem Schatten seiner Band zu springen. Glückwunsch.

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