15. Januar 2009

K.I.Z.

Provokation oder Parodie? Remmidemmi oder Rap? Wohl kaum eine andere deutsche HipHop-Band polarisiert so sehr wie das Berliner Quartett K.I.Z. Für die einen sind K.I.Z. und ihre übertriebenen Texte über Fleisch, Sex und Gewalt die Botschaft Satans, die anderen hingegen lachen sich über die Wortspielereien und die Zerstörung sämtlicher HipHop-Heiligtümer schlapp.
Angeheizt wird die Diskussion immer wieder von der Band selbst, die sich nicht festnageln lassen will - was übrigens schon mit dem Bandnamen anfängt. „Kriegsverbrecher in Zwangsjacken“? „Kannibalen in Zivil“? oder „Kreuzritter in Zentralsien“? Alles wurde der Band schon angedichtet, einigen wir uns einfach mal auf „Künstler in Zwangsjacken“. So heißt zumindest die offizielle MySpace-Adresse der Band und der Name dürfte die Seele K.I.Z.s am besten treffen.

Royal im Bunker
Wenn drei Rapper und ein DJ in Berlin eine HipHop-Band gründen wollen, dürfte das ja eigentlich nicht so schwer sein. Die Stadt ist jedoch schon voll mit Bushidos und Sidos, also muss ein etwas anderer Ansatz her, um irgendwie aufzufallen. Der Ausweg: Das Gangsta-Getue so übertreiben, bis alles in Dauer-Ironie endet. Auftritt: K.I.Z. Die drei MCs Tarek, Maxim und Nico sowie DJ Craft haben so ziemlich alles im Sinn, nur nicht bei der grassierenden Ghetto-Kitsch mizumachen. Mit ihren wortgewaltigen Texten, die eigentlich vor nichts Halt machen, fast schon wie eine Vertonung von „RTL Explosiv“ wirken, macht das Quartett K.I.Z. schon kurz nach Gründung 2005 auf sich aufmerksam. Über das Berliner Szene-Label „Royal Bunker“ erscheint das erste Album "RapDeutschlandKettensägenMassaker“. Das Erstlingswerk, genauso wie das 2006 erscheinende Mixtape „Böhse Enkelz“, tourt durch den deutschen HipHop-Untergrund, erfreut sich aber großer Beliebtheit in verschiedenen Subkulturen. Punk-Fans wollen Pogen, Baggy-Hosen-Träger Kopfnicken.

Wer braucht schon Street Credibility, Keeping-It-Real-Geschwätz und Pseudo-Härte? KIZ machen vor keinem der HipHop-Heiligtümer Halt und erst recht nicht vor der Bloodhound Gang. Mit denen gehen die HipHopper im Sommer 2006 sogar auf Tour und werden somit innerhalb kürzester Zeit von lokalen Szene-Rappern zu deutschlandweit bekannten Krawall-Truppe.

Rüber zu Universal
Im Zuge der aufkommenden Bekanntheit wird auch das Label „Universal“ auf die Jungs aufmerksam und in Zusammenarbeit zwischen Royal Bunker und dem Plattenlabelriesen entsteht 2007 das zweite Studioalbum „Hahnenkampf“. Singles wie „Geld Essen“, „Spasst“ oder „Hölle“(mit Bela B.) werden ausgekoppelt, katapultieren die Band in die Heavy Rotation von MTV.

Sexismus gegen Rechts
Im Juli 2009 erscheint schließlich das dritte Album der Band mit dem Titel „Sexismus gegen Rechts“. Die Markenzeichen – Wortspielereien, Zynismus, Ironie – werden einem wieder im Sekundentakt ins Gesicht gepfeffert. Und siehe da: Die Rezepetion ist immer noch dieselbe. Für die einen sind K.I.Z. immer noch unerträglicher Gewaltorgien-Totschlag-HipHop, für die anderen hingegen die Helge Schneider des Rapgeschäfts.

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